Kurze Antwort: In der Türkei entspricht dem amerikanischen Board-Zertifikat der staatliche Facharzttitel: Die Bezeichnung ist gesetzlich geschützt und wird nach sechs Jahren Medizinstudium und fünf Jahren Weiterbildung vom Gesundheitsministerium verliehen.
„Sind Sie board certified?“ ist eine der ersten Fragen internationaler Patientinnen und Patienten — zu Recht. Die beiden Systeme sind tatsächlich unterschiedlich aufgebaut. Im Folgenden erkläre ich beide.
Warum die Frage in den USA überhaupt gestellt wird
In den USA sind die Bezeichnungen „plastischer Chirurg“ und „ästhetischer Chirurg” nicht geschützt. Jede approbierte Ärztin und jeder Arzt darf sie führen — unabhängig davon, worin die Weiterbildung tatsächlich erfolgte.
Die Board-Zertifizierung schließt diese Lücke. Das American Board of Plastic Surgery (ABPS) ist das einzige in diesem Fach vom American Board of Medical Specialties (ABMS) anerkannte Board. Voraussetzung sind mindestens sechs Jahre akkreditierte Weiterbildung in plastischer Chirurgie nach dem Studium sowie eine schriftliche und eine mündliche Prüfung.
Hier beginnt die Verwirrung: Es gibt weitere Organisationen mit „Board“ im Namen, die von der ABMS nicht anerkannt sind. Deshalb fragen amerikanische Patienten nicht nur, ob jemand board certified ist, sondern welches Board das Zertifikat ausgestellt hat.
Wie die Türkei es regelt: der geschützte Facharzttitel
In der Türkei sitzt der Filter am Eingang. „Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie“ ist ein anerkanntes Fachgebiet, und die Bezeichnung ist gesetzlich geschützt. Wer sie führen will, muss sechs Jahre Medizin studieren, die nationale Facharztprüfung bestehen und fünf Jahre Vollzeit-Weiterbildung absolvieren. Insgesamt elf Jahre.
Das Gesundheitsministerium stellt anschließend die Facharzturkunde aus. Ohne sie ist die Durchführung dieser Eingriffe untersagt — es handelt sich nicht um eine freiwillige Auszeichnung, sondern um die Zugangsvoraussetzung zum Fach.
In der Türkei gibt es keine Fachgebiete namens „Fazialplastische Chirurgie“ oder „Okuloplastische Chirurgie”. Das Fach heißt Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.
Was in diesen elf Jahren gelernt wird
Die Weiterbildung ist lang, anspruchsvoll und bewusst breit angelegt. Die drei Wörter im Fachnamen — plastisch, rekonstruktiv, ästhetisch — beschreiben ihre drei Säulen. In fünf Jahren Weiterbildung werden alle drei erlernt, an jeder Körperregion:
- Angeborene Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
- Verbrennungsbehandlung und Rekonstruktion nach Verbrennungen
- Gesichtsschädelfrakturen und Traumarekonstruktion
- Handchirurgie und Nervenrekonstruktion
- Mikrochirurgie — Gefäßanastomosen und freier Gewebetransfer unter dem Mikroskop
- Rekonstruktion nach Krebserkrankungen — Brust, Kopf-Hals, Hauttumoren
- Chronische Wunden und Gewebedefekte
- Die gesamte ästhetische Chirurgie — einschließlich Lidchirurgie und Intimchirurgie
- Die gesamte nicht-operative Ästhetik — Botulinumtoxin, Filler, gerätegestützte Verfahren
Diese Liste hat unmittelbar mit ästhetischen Ergebnissen zu tun. Wer Gesichtsfrakturen versorgt, nach Krebs eine Brust rekonstruiert und unter dem Mikroskop Gefäße näht, lernt Anatomie anders. Ästhetische Chirurgie baut auf diesem Fundament auf; sie ist keine davon getrennte Fertigkeit.
Die Weiterbildung findet an Universitäts- und Lehrkrankenhäusern statt und umfasst alle diese Bereiche; keiner wird ausgewählt und die übrigen ausgelassen. Am Ende hat die Ärztin nicht nur gelernt zu verschönern, sondern zuerst wiederherzustellen.
Gibt es in der Türkei ein Board?
Ja, aber mit anderer Funktion. Die Facharztprüfung der Türkischen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (TPRECD) besteht aus einem schriftlichen Teil und einer objektiven strukturierten klinischen Prüfung. Sie ist freiwillig und verleiht über die Facharzturkunde hinaus keine rechtliche Befugnis, denn das Operationsrecht folgt bereits aus dieser Urkunde. Innerhalb des Fachs hat sie akademisches Gewicht.
Daneben gibt es EBOPRAS, die Prüfung des European Board of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgery, die von der TPRECD anerkannt wird.
Das Fehlen dieses Zertifikats ist kein Mangel. Voraussetzung dafür, in der Türkei im Operationssaal zu stehen, ist die staatliche Facharzturkunde.
Die Entsprechung in Ihrem Land
Jedes Land benennt den Nachweis anders, doch alle beantworten dieselbe Frage: Hat diese Ärztin die Facharztweiterbildung in diesem Gebiet abgeschlossen?
- USA — American Board of Plastic Surgery (ABPS); das einzige von der ABMS in diesem Fach anerkannte Board.
- Großbritannien — Eintrag im GMC Specialist Register für Plastic Surgery, über den CCT.
- Deutschland — Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie; 72 Monate Weiterbildung.
- Frankreich — DES de chirurgie plastique, reconstructrice et esthétique.
- Spanien — Cirugía Plástica, Estética y Reparadora; fünf Jahre über das MIR-System.
- Russland — «Пластическая хирургия»; die Akkreditierung ist verpflichtend und wird alle fünf Jahre erneuert.
- Saudi-Arabien und Golfstaaten — Saudi Board of Plastic Surgery (SCFHS); 72 Monate Weiterbildung.
- Türkei — die Facharzturkunde für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie; sechs Jahre Studium und fünf Jahre Weiterbildung.
Auch in Großbritannien ist „cosmetic surgeon“ keine geschützte Bezeichnung; britische Patienten führen dieselbe Prüfung im eigenen Land durch. Das GMC-Register ist öffentlich und namentlich durchsuchbar.
So überprüfen Sie Ihren Chirurgen
Aus welchem Land Sie auch schreiben — die Fragen sind dieselben:
- „Darf ich Ihre Facharzturkunde sehen?“ Fragen Sie ruhig; wird sie nicht gezeigt, ist auch das eine Antwort.
- „Welches Fachgebiet steht darauf?“ Die Formulierung, die Sie suchen, lautet Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.
- „Wer führt die Operation durch?“ Ist die Person, mit der Sie gesprochen haben, auch die operierende? Lassen Sie sich den Namen schriftlich geben.
- „Wo wird operiert?“ Erfragen Sie den Namen des Krankenhauses.
- Fachgesellschaften. Internationale Gesellschaften wie die ISAPS setzen für die Mitgliedschaft eine Facharzturkunde voraus.
Keine dieser Fragen ist schwierig, und keine kränkt eine Chirurgin. Wird ihnen ausgewichen, ist genau das die Auskunft.
Kurz gefasst
In den USA ist die Board-Zertifizierung eine nachträglich hinzugefügte Absicherung, weil die Bezeichnung selbst jedem offensteht. In der Türkei steckt dieselbe Absicherung in der Bezeichnung und wird vom Staat verliehen. Die Systeme sehen verschieden aus und beantworten dieselbe Frage: Hat diese Ärztin dafür tatsächlich eine Ausbildung durchlaufen?
Quellen
- American Board of Plastic Surgery
- American Board of Medical Specialties
- General Medical Council
- Bundesärztekammer
- Conseil National de l'Ordre des Médecins
- Boletín Oficial del Estado
- Saudi Commission for Health Specialties
- Türk Plastik Rekonstrüktif ve Estetik Cerrahi Derneği
- T.C. Sağlık Bakanlığı Tıpta Uzmanlık Kurulu
Dieser Beitrag dient nur der Information; er ist keine Diagnose- oder Behandlungsempfehlung. Wenden Sie sich für persönliche Entscheidungen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.