Trends & Allgemeines

Die 10 häufigsten Irrtümer über ästhetische Chirurgie

Trends & AllgemeinesOp. Dr. Yasemin Aydınlı·4 Min. Lesezeit

Manche Annahmen werden so oft wiederholt, dass sie ungeprüft für wahr gehalten werden. Einige sind harmlos, andere führen zu falschen Entscheidungen. Nehmen wir zehn davon.

1. „Liposuktion lässt einen abnehmen“

Falsch. Die Liposuktion ist ein Konturverfahren, keine Methode zum Abnehmen. Das entfernte Fett wiegt weit weniger als erwartet, und die Veränderung auf der Waage bleibt meist gering.

Zudem wirkt sie nur auf das Unterhautfett. Das Bauchinnenfett (viszerales Fett) liegt unter der Muskelschicht und lässt sich so nicht entfernen — wölbt sich der Bauch bei angespannter Muskulatur weiterhin vor, sitzt das Fett dort.

2. „Es gibt Operationsmethoden, die keine Narbe hinterlassen“

Falsch. Überall, wo Haut durchtrennt wird, entsteht eine bleibende Narbe. Verschieden sind Lage, Länge und wie gut sie sich verbergen lässt.

Bei manchen Eingriffen ist die Narbe tatsächlich sehr klein — Lidfalte, Areolarand, Mundinneres, innerhalb des Haaransatzes. Aber es gibt kein Verfahren, das Haut durchtrennt und keine Narbe hinterlässt. Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen das versprochen wird.

3. „In jungen Jahren durchgeführt, wird das Ergebnis besser“

Das hängt vom Einzelfall ab; die Verallgemeinerung ist falsch. Bei manchen Eingriffen ist junge Haut von Vorteil, weil sie elastischer ist. Manche Entscheidungen führen jedoch zu Problemen, wenn sie zu früh getroffen werden:

Die Entfernung des Wangenfetts kann den später sichtbar werdenden Volumenverlust verstärken. Eine Haartransplantation vor Abschluss des Haarausfallmusters kann Jahre später hinter dem verpflanzten Bereich eine neue Lücke hinterlassen. Eine in der Pubertät durchgeführte Gynäkomastie-Operation kann wiederkehren.

Die richtige Frage ist nicht das Alter, sondern ob sich der Befund gefestigt hat.

4. „In einem Monat sehe ich das Ergebnis“

Unvollständig. Der Großteil der Schwellung geht in den ersten Monaten zurück, das ist aber nicht das Endergebnis.

Die Kontur setzt sich nach 3–6 Monaten, die Narbe nach 12 Monaten. Nach einer Nasenoperation dauert das Endergebnis etwa ein Jahr. Eine Beurteilung nach einem Monat ist verfrüht und erzeugt unnötige Sorge.

5. „Nach der Operation weniger zu trinken verringert die Schwellung“

Falsch und schädlich. Eine Flüssigkeitsbeschränkung verringert die Schwellung nicht; eine ausreichende Zufuhr gehört zur Wundheilung wie zur Senkung des Thromboserisikos.

Was die Schwellung verringert: das Kompressionskleidungsstück, Hochlagern des Bereichs, häufige kurze Spaziergänge.

6. „Ich höre am Operationstag mit dem Rauchen auf, das reicht“

Das reicht nicht. Ein Rauchstopp von mindestens 4 Wochen vor der Operation ist eine durch Evidenz der Stufe 1 gestützte Empfehlung. Bei Personen, die länger als vier Wochen aufhörten, waren Wundinfektionen, Wundrandnekrosen und verzögerte Heilung signifikant seltener als bei jenen, die weniger als zwei Wochen aufhörten.

Zudem sollte der Verzicht bis zum Abschluss der Heilung fortgeführt werden. E-Zigaretten und Nikotinpflaster gehören in dieselbe Kategorie — das eigentliche Problem ist die Wirkung von Nikotin auf die Gefäße.

7. „Es ist sinnvoller, alles in einer Sitzung machen zu lassen“

Nicht immer. Kombinierte Eingriffe sind in manchen Fällen sinnvoll, doch mit zunehmender Operationsdauer steigen das Thromboserisiko und das allgemeine Komplikationsrisiko.

8. „Teuer ist besser“ oder „billig ist schlecht“

Ein hoher Preis garantiert kein gutes Ergebnis; ein Preis weit unter dem Erwartbaren ist jedoch meist ein Zeichen dafür, dass etwas fehlt.

Über das Ergebnis entscheiden die Technik, die richtige Patientenauswahl, das Umfeld der Operation und die anschließende Nachsorge. All das kostet: ein voll ausgestattetes Krankenhaus, ein erfahrenes Anästhesieteam, die Möglichkeit der Überwachung über Nacht, ein Chirurg, den Sie bei einer Komplikation erreichen. Ist der Preis sehr niedrig, wurde womöglich an einem dieser Punkte gespart.

Achten Sie deshalb nicht auf den Preis, sondern darauf, was er umfasst: Wo wird der Eingriff durchgeführt, wer gibt die Narkose, gibt es eine Überwachung über Nacht, an wen wende ich mich bei einer Komplikation, sind die Kontrollen enthalten?

9. „Wenn es bei einer Berühmtheit gut aussah, sieht es bei mir auch gut aus“

Nein. Derselbe Eingriff führt bei unterschiedlicher Anatomie zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Knochenbau, Hautdicke, vorhandene Gewebeverteilung, Alter und Heilungsverhalten sind individuell.

Ein in sozialen Medien gezeigtes Ergebnis sagt nichts darüber aus, was bei Ihrer Anatomie geschieht. Zudem ist unbekannt, unter welchen Bedingungen und wie lange nach dem Eingriff das Bild entstand.

10. „Die Operation löst mein Selbstwertproblem“

Das ist der Punkt, der die größte Sorgfalt verlangt. Bei einer konkreten Beschwerde bringt die Operation deutlichen Nutzen. Betrifft die Erwartung jedoch nicht den Körper, sondern einen anderen Lebensbereich, wird ein Eingriff sie nicht erfüllen.

Dafür gibt es auch eine medizinische Entsprechung: Bei einer körperdysmorphen Störung ist die Zufriedenheit nach einer Operation gering, und die Beschwerden können zunehmen. Deshalb beurteilt eine gute Untersuchung nicht nur das Gewebe, sondern auch die Erwartung.

Tipp — Wenn Sie Ihre Erwartung konkret beschreiben können („diese Stelle stört mich, in dieser Situation habe ich Schwierigkeiten“), ist das ein gutes Zeichen. Wird die Beschreibung abstrakt („ich fühle mich nicht wohl, alles soll besser werden“), sollte darüber bei der Untersuchung offen gesprochen werden.

Häufige Fragen

Wo kann ich diese Angaben überprüfen?
Am Ende jedes Beitrags steht eine Quellenliste. Die für Ihren Fall geltenden Zeiträume und Empfehlungen werden bei der Untersuchung festgelegt; allgemeine Informationen ersetzen keinen persönlichen Plan.
Mein Arzt sagt etwas anderes — woran soll ich mich halten?
An Ihren Arzt. Was hier steht, ist ein allgemeiner Rahmen; wer Ihre Befunde sieht, ist Ihr Arzt.
Wie soll ich mit dem umgehen, was ich im Internet lese?
Seien Sie vorsichtig bei Inhalten ohne Quellenangabe, die auf der Erfahrung einer einzigen Person beruhen, in absoluten Aussagen formuliert sind, ein garantiertes Ergebnis versprechen, behaupten, es bleibe keine Narbe, oder erklären, es bestehe überhaupt kein Risiko.
Sind Vorher-Nachher-Bilder verlässlich?
Beleuchtung, Pose, Aufnahmewinkel und Zeitpunkt können das Ergebnis erheblich verändern. Zudem muss ein ausgewähltes Bild nicht das durchschnittliche Ergebnis dieses Eingriffs abbilden.
Dieser Inhalt dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Jeder Mensch ist anders; Eignung und Ablauf können nur durch eine persönliche Untersuchung und Beratung bestimmt werden.
Op. Dr. Yasemin Aydınlı

Op. Dr. Yasemin Aydınlı

Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgin

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